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Aktuell

Persönlicher Rückblick auf zehn Jahre Institutsleitung ILF
Prof. Dominik Siegrist


Nach zehn Jahren habe ich die Leitung des Instituts für Landschaft und Freiraum abgegeben. Per 1. September 2021 hat Prof. Jasmin Joshi diese Aufgabe übernommen. Mein Start damals im Herbst 2011 war ein Sprung ins kalte Wasser. Eben von einem längeren Auslandaufenthalt in Vancouver zurückgekehrt, rief mich meine Vorgängerin Prof. Margit Mönnecke an und fragte, ob ich bereit wäre, die Institutsleitung zu übernehmen. Sie selber war eben zur Prorektorin der HSR gewählt worden. Da mein Schwerpunkt an der HSR seit Beginn meiner Tätigkeit 1999 in der angewandten Forschung gelegen hatte, sagte ich zu. Dabei war mir durchaus bewusst, dass ich von nun an weniger Zeit für meine eigenen Projekte haben würde. Aber die Weiterentwicklung des ILF an die Hand zu nehmen, reizte mich.

 

Ich habe meinen damaligen Entscheid nicht bereut und blicke auf eine spannende und vielfältige Zeit im ILF zurück. Die Diskussionen mit dem ILF-Team über die Ziele unseres Institutes und deren konkrete Umsetzung waren oft intensiv - und nicht immer harmonisch. Dauernd sass uns der Zeitmangel im Nacken, an Fachhochschulen kommt eben der guten Lehre Priorität vor der Forschung zu. Nicht selten musste ich von den Kolleginnen und Kollegen hören, dass das aFE ja nur dazu sei, um finanzielle Löcher zu stopfen. Auch war es nicht immer ganz einfach, der Hochschulleitung die spezifische Ausgangslage unseres Fachgebietes zu erläutern. Aber schlussendlich wurde immer ein gangbarer Weg gefunden, damit wir produktiv weiterarbeiten konnten.

 

Bereits mein Einstieg in die ILF-Leitung begann mit einer Strategieklausur. Im Folgenden waren unsere jährlichen Treffen mit dem ILF-Team jeweils strategischen Fragen gewidmet. Bis irgendwann einmal alle genug davon hatten, Strategien zu entwickeln, die dann nur teilweise oder gar nicht  umgesetzt werden konnten. In der Folge konzentrierten wir uns mehr und mehr darauf, konkrete Projektmöglichkeiten auszuloten und aufzugleisen. Auch die geselligen Anlässe kamen nicht zu kurz, einige legendäre Ausflüge in Stadt und Land haben die Beteiligten in guter Erinnerung behalten. Zur besseren Sichtbarkeit von Institut und Studiengang haben unsere zahlreichen Tagungen und Vortragsreihen beigetragen, die von teils renommierten Referentinnen und Referenten aus dem In- und Ausland bestritten wurden. Und nicht zu vergessen die ILF-Schriftenreihe mit mittlerweile über zwanzig Titeln, sowie die zahlreichen weiteren Publikationen und Projekte, die der ILF-Jahresbericht jeweils verzeichnet.

Ein Wort möchte ich noch zum täglichen Ringen um Drittmittel für unsere Projektarbeit verlieren. Während der letzten zehn Jahre ist es nicht einfacher geworden, solche Gelder zu finden. Auf dem Forschungsmarkt sind neue Player hinzugekommen, neben anderen Fachhochschulen und den Unis auch manche private Institution. Gleichzeitig gehen die von der öffentlichen Hand zur Verfügung stehenden Mittel wegen der Sparmassnahmen des Bundes und der Kantone zurück. Leider ist es bis heute trotz jahrelangen Bemühungen nicht gelungen, die Landschaftsarchitektur auf die Agenden der nationalen Förderprogramme Innosuisse und Nationalfonds zu rücken. So blieb den Institutspartnern oft nichts Anderes übrig, als ihre Projekte über sich gerade bietende Gelegenheiten zu finanzieren. Sprich das zu nehmen, was gerade irgendwo vorhanden war – und dies unabhängig von den strategischen Zielen des Instituts.

Positiv zu vermerken ist, dass wir in den letzten Jahren einige wichtige Teilgebiete der Landschaftsarchitektur wie die Ökologie, die Pflanzenverwendung und die Digitalisierung mit neuen Professuren stärken konnten, dies nicht zuletzt aufgrund der erfreulichen Entwicklung bei den Studierendenzahlen. Dies wirkte sich positiv auf die Qualität der Lehre im Bachelor- und Masterstudiengang als auch auf den Forschungsbereich aus. Andererseits waren auch einige Abgänge von langjährigen Kollegen zu verzeichnen, deren Lücke nicht so rasch zu schliessen war. Aber insgesamt steht das ILF heute mit zehn Professorinnen und Professoren und gegen dreissig qualifizierten Mitarbeitenden in einer guten Verfassung da und ist in der Lage, die kommenden fachlichen und institutionellen Herausforderungen zu meistern.

Ein grosser Hoffnungsschimmer bildete der nach längeren Diskussionen lancierte Forschungsentwicklungsplan (FEPl), mit dem die HSR in den Jahren 2018 – 2020 erhebliche Basismittel für eigene angewandte Forschungsprojekte im Themenfeld Raum und Landschaft zur Verfügung stellte. Zum ersten Mal konnten wir eine strategische Forschungsplanung angehen. Die Projekte wurden halbjährlich von einer hochkarätig zusammengesetzten Begleitgruppe diskutiert und beurteilt. Es ist zu hoffen, dass der FEPl auch in der neuen OST weitergeführt wird.

Während den letzten zwei Jahren erschwerte die Corona-Pandemie die Arbeit des Instituts. Aufgrund von Fernunterricht und Home Office war der Campus menschenleer, die fehlenden persönlichen Kontakte machten vielen von uns zu schaffen. Selbstredend, dass es unter solchen Bedingungen schwieriger war neue, innovative Forschungsprojekte zu entwickeln. Denn unser Fachgebiet lebt ja gerade davon, dass in Diskussionen und Workshops neue Ideen und Ansätze generiert werden. Umso höher ist zu gewichten, dass es dennoch einige sehr innovative Projekte gab. Erschwerend kam noch hinzu, dass die Fusion der HSR in die OST eine Reihe von organisatorischen Problemen mit sich brachte, die die Arbeit auch nicht gerade erleichterten. Bei beiden, Pandemie und Fusion, kann es ab nächstem Jahr nur noch aufwärtsgehen.

Zuallererst geht ein grosser Dank an unsere Institutsassistentin Tatjana Pegam, die die Institutsleitung seit Jahren durch alle Höhen und Tiefen professionell und engagiert unterstützt hat. Ich möchte aber auch Studiengangassistentin Barbara Kuster in meinen Dank einschliessen. Bei den Kolleginnen und Kollegen, bei allen Mitarbeitenden und bei den externen Partnern bedanke ich mich für die jahrelange gute Zusammenarbeit. Ebenso bei der Studiengangleitung sowie bei der alten und bei der neuen Hochschulleitung. Meiner Nachfolgerin Jasmin Joshi wünsche ich für ihre neue Aufgabe viel Erfolg, Geduld und die nötige Portion Gelassenheit.

Nach meinem Rücktritt als Institutsleiter bleibe ich an der OST als Professor und im ILF als Institutspartner tätig. Ich freue mich darauf, nun wieder mehr Zeit für meine Projekte im Bereich naturnahe Erholung, Tourismus und Pärke zu finden.

 

September 2021